Chénggōng

Juli 11, 2009

Sozialstruktur Xinjiangs

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Aus aktuellem Anlass veröffentliche ich einen kurzen Beitrag zur Sozialstruktur der Autonomen Region Xinjiang-Uighur in Westchina, um die ethnische Heterogenität der Region näher zu beleuchten.

Ethnische Zusammensetzung
Xinjiang liegt als Grenzregion zwischen chinesischen, russischen und turkischen Einflusssphären; die Zusammensetzung der Bevölkerung reflektiert die geografische Position (vgl. Dillon 2004: 24). Allgemein weist Xinjiang einen hohen Minderheitsanteil an der Gesamtbevölkerung aus (vgl. Schüller/Kriete 2002: 1151). Uighuren als größte Bevölkerungsgruppe machen mit 9,2 Mio. Menschen 45,9 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Han sind mit 39,5 Prozent und ca. 7,9 Mio. die zweitgrößte Gruppe. Es folgen 7 Prozent Kasachen (ca. 1,4 Mio.), 4,4 Prozent Hui (893.500) und 0,8 Prozent Kirgisen (171.000). Unter Einbezug der Tadschiken und Usbeken sind somit 54 Prozent der Gesamtbevölkerung turksprachig und 58 Prozent muslimischen Glaubens (XSY 4-1,8).

Diese ethnische Heterogenität drückt sich ebenso in der administrativen Gliederung aus (vgl. Wacker 1995: 11). Während Han tendenziell in den Städten wie Ürümqi und in den urbanen südlichen Regionen siedeln, sind die ärmeren, west- und südwestlichen Regionen hauptsächlich von Muslimen bewohnt (vgl. Dillon 2004: 25).
Seit der Gründung der VRC wurden demobilisierte hanchinesische Soldaten der Volksbefreiungsarmee (VBA) in Xinjiang angesiedelt. Die forcierte Migration seit den 1960er Jahren spielt eine große Rolle im innerethnischen Konflikt in Xinjiang (vgl. Dillon 2004: 25; Wiemer 2004: 168). Man kann feststellen, dass die Migration aus dem Osten Chinas das Bevölkerungsprofil nachhaltig verändert hat (vgl. Dillon 2004: 25). 1955 lag der Anteil der Han an der Gesamtbevölkerung bei etwas mehr als 10 Prozent. Seit 1971 liegt er bei ca. 40 Prozent, und blieb seither relativ stabil (vgl. Wiemer 2004: 169).


Literatur
Dillon, Michael (2004): Xinjiang – China’s Muslim Far Northwest. London, New York: Routledge.

Schüller, Margot/Kriete, Constanze (2002): Entwicklung in Westchina – Visionen und Realisierungschancen. In: China aktuell, 31, 10. S. 1139-1155.

Wacker, Gudrun (1995): Xinjiang und die VR China. Zentrifugale und zentripetale Tendenzen in Chinas Nordwest-Region [=Berichte des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien, 3]. Köln: Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und inter-nationale Studien.

Wiemer, Calla (2004): The Economy of Xinjiang. In S. Frederick Starr (Hrsg.), Xinjiang. China’s Muslim Borderland. Armonk, New York, London [u.a.]: M.E. Sharpe. S. 163-189.

XSY (2006): Xinjiang Uyghur Autonomous Region Bureau of Statistics (Hrsg.): Xinjiang Statistical Yearbook 2006. Beijing: China Statistics Press.

Aus: Brod, Magnus C. M. (2009): Gesellschaftliche Entwicklung und wirtschaftliche Integration. Eine sozialwissenschaftliche Analyse der Handelsbeziehungen zwischen China und den zentralasiatischen Staaten seit 2000 mit dem Fokus auf die Autonome Region Xinjiang-Uighur. Unveröffentlichte Bachelorarbeit. Philipps-Universität Marburg.

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